K^Rar / 2. Kapitel Halt in Barik 2. Teil

Halt in Barik 2. Teil

Schweißgebadet erwacht er aus den Schrecken seiner Träume. Kalt läuft es ihm den Rücken runter als er jetzt an seine Heimat denkt. Terilla war einst ein beschauliches Dorf an der Ostküste des Sardischen Wüstenreichs gewesen. Nun ist es ein Friedhof. Sklavenjäger der Schwarzen Karawane sind in das kleine Dorf eingefallen und haben alles zerstört. Sie waren schwer bewaffnet und blutrünstig, jeder der sich nicht ihren Befehlen unterwarf, wurde an Ort und Stelle exekutiert, sie haben niemanden verschont. Am Ende waren die Sklavenjäger so im Blutrausch gewesen, dass sie jeden abschlachteten den sie nicht schon auf ihr Kutsche verladen hatten.

Kidan wird aus seinen dunklen Gedanken gerissen, als Bergulf das Zimmer betritt. „Wie lange habe ich geschlafen“

„Nicht sehr lang, dort drüben steht was zu Essen für dich.“ Der Heiler deutet auf den alten Schemel, auf dem sich auch schon der Lederbeutel mit den Blättern befindet. Kidan hat Mühe sich zu bewegen. Vorsichtig schiebt er seine schmerzenden Beine unter der Decke hervor und versucht sich aufrecht hinzusetzen. Unter lautem Stöhnen beugt er sich nun nach vorn um sich das Essen vom Schemel zu nehmen. Der graue Brei verströmt einen unangenehm modrigen Geruch. Als er den ersten Bissen zu sich nimmt, beginnt er gleich wieder zu würgen. Währenddessen kommt Bergulf näher an das Bett, in seinen Händen hält er einige frische Wundbinden und eine Flasche mit einer durchsichtigen Flüssigkeit. „Zeig mir deinen Rücken!“ Kidan stellt das Essen beiseite und entblößt seinen geschundenen und ausgemergelten Oberkörper.

Gut kann man das Emblem der Schwarzen Karawane erkennen, welches teils verkrustet und entzündet auf seiner rechten Schulter prangt. Mit einem glühenden Eisen wird es jedem der Sklaven auf die Schulter gebrannt.

„Das werden wir behandeln müssen, halte die Binden während ich deine Wunde auswasche.“ Als der Heiler nun anfängt die Wunde zu reinigen, wird Kidan kurz schwarz vor Augen. Die Schmerzen auf seinem Rücken werden unerträglich als ihm der Heiler die Wunde auswäscht. Nach einigen Minuten tritt er zurück und nimmt ihm die Binden aus den schmerz verkämpften Händen.

„Das schlimmste hast du hinter dir, ich verbinde jetzt nur noch deinen Rücken und dann werde ich dich in Ruhe lassen. Wenn der Stern Z´Era nicht mehr zu sehen ist werde ich dich wecken.“

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Kidan nickt nur knapp bevor er dann das Wort an den Heiler richtet. „Vielen Dank für deine Hilfe Bergulf, ich hoffe ich werde mich eines Tages bei revanchieren können.“

„Ich bin Heiler, ich helfe wo ich kann.“ Mit diesen Worten beugt er sich wieder über den Rücken von Kidan und beginnt damit die Binden auf die verbrannte Schulter aufzutragen. „Ich werde dir gleich noch ein paar von den Bandagen bringen, du musst die Wunde spätestens in zwei Tagen wieder reinigen und neu verbinden lassen.“

Nachdem der Heiler das Zimmer wieder verlässt kann Kidan hören wie die massive Tür von Außen verschlossen wird. Außer dem Bett und dem Schemel gibt es hier sonst nur noch einen alten Kamin und einen zerfallenen Schrank. Vorsichtig steht er auf und geht hinüber zu dem Schrank der sich gleich neben der Tür befindet.

Er muss einst sehr edel gewesen sein, davon zeugen jedoch nur noch die alten Messingscharniere und die Stellen an denen wohl einst Beschläge gewesen sein mussten. Beim Öffnen des mannshohen Schrankes quietscht die Tür ein wenig und verklemmt schließlich, als er sie einen Spalt breit geöffnet hat. Mit einem leichten Ruck öffnet er nun die alte Tür. Sein Blick fällt als erstes auf eine kleine, schwarze, vom Staub bedeckte Schatulle. Bis auf ein paar Spinnenweben ist der Schrank ansonsten leer.

„Wie lange die wohl schon dort liegen mag“ Geht es ihm durch den Kopf während er nach ihr greift. Sie ist schwer, das Material aus dem sie gefertigt war hatte er noch niemals zuvor gesehen. Ein Gefühl totaler Betäubung durchfährt den Arm in dem er die Schatulle hält. Wie benommen verliert sich sein Blick in der unendlichen Schwärze der Oberfläche, bevor er plötzlich durch ein lautes Geräusch vor der Tür aus der Trance gerissen wird.

Blitzartig verschließt er den Schrank, steckt sich die Schatulle in die Tasche seiner Leinenhose und wirft sich auf das Bett, noch bevor eine der Wachen eintritt. Nach einem kurzen Kontrollblick verschwindet diese auch gleich wieder. Während er die Augen verschlossen hält, bemerkt er wie ihn die Müdigkeit übermannt. Erneut fällt er in einen düsteren Schlaf.

Nachdem Z´Era am Morgen hinter dem Horizont verschwunden ist wird Kidan von dem Heiler geweckt. „Dir bleibt nicht mehr viel Zeit, bald werden die Wachen kommen um dich wieder zu den anderen Sklaven zu bringen. Ich habe hier noch Kleidung für dich, in deinen dünnen Tüchern würdest du nicht weit kommen.“ Gerade in dem Moment als Kidan sich bedanken will, springt die Tür auf.

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„Ah, hier ham wa ja die Made.“ Ein großer Mann in schwerer Rüstung und einem furchteinflössenden Helm, tritt nun auf Kidan zu. In seinen Händen hält er einen Menschenfänger. Dies ist eine lange Lanze, an deren Ende sich ein hufeisenförmiges Stück Metall mit zwei langen Bolzen befindet. Der Mechanismus wird durch den Druck am Hals eines Sklaven ausgelöst. Sobald ein gewisser Punkt erreicht ist schnellen die zwei Bolzen hervor und umschließen seinen Hals.

Kidan wirft sich vor dem Mann auf den Boden, beugt sich nach vorn und schweigt. „Steh auf, zieh dir was an und nimm dein Zeug! Oder glaubst du etwa ich trag das für dich?“ Er gehorcht aufs Wort. Langsam erhebt er sich um die Kleider überzustreifen. „Beweg dich, wir ham nich den ganzen Tag Zeit!“

„Ich werde dann wohl nicht weiter gebraucht!“ Stellt Bergulf fest und verlässt das Zimmer. Eilig packt Kidan sein Zeug in die alte Wolldecke, während die Wache ihn abfällig mustert. „Es wird Zeit, los jetzt!“ Raunt ihm die Wache zu. Er nickt nur kurz und wendet dann wieder seinen Blick ab. „Gut, dann komm endlich! Ich hab schon viel zu lange in diesem Loch verbracht.“ Die Wache bedeutet Kidan voranzugehen und bleibt im Türrahmen stehen. Der Weg führt die Beiden durch ein enges, feuchtes Gemäuer von unzähligen Gängen, über mehrere Treppen, bis hin zu einem Gang, der in den Burghof von Barik mündet.

Oben angekommen, stößt der Wachmann die Tür zum Burghof auf. Als sie ihn betreten kommt auch sogleich einer der Karawanenführer auf sie zu. „Da seit ihr ja, wir haben nur auf euch gewartet. Los auf den Karren mit dir“ Der ungeduldige Blick des dicken, braunhaarigen Karawanenführers, der mit seinen dreckigen Fingern auf einen der Karren deutet, lastet schwer auf Kidan. Dieser wendet nun wieder seinen Blick zu Boden und geht umgehend zu einem der Karren auf deren Ladeflächen Käfige montiert wurden. Der Wachmann verschließt den Käfig hinter ihm und reiht sich dann sogleich in die Truppen der Infanterie ein. Ein Horn ertönt und die Tore von Barik werden geöffnet.

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Unter lautem Gebrüll setzt sich der Tross langsam in Bewegung und verlässt die Burg.


K^Rar / 2. Kapitel Halt in Barik 1. Teil

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