K^Rar 2. Kapitel: Halt in Barik 1. Teil


Halt in Barik

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Als Kidan wieder zu sich kommt hört er eine fremde Stimme. „Wach auf! Los wach endlich auf!“ Langsam kommt Kidan wieder zu Bewusstsein und der Schmerz kehrt zurück. Sofort bemerkt er wie kühl es geworden ist. Mit größter Anstrengung versucht er seine Augen zu öffnen, doch egal wie stark er es auch versucht, es will ihm einfach nicht gelingen. „Warte, ich helfe dir. Deine Augen sind noch völlig vom Sand verklebt. Hier, nimm dieses Tuch!“

Kidan zuckt leicht zusammen, als er bemerkt wie etwas nasses seine Hand berührt. Instinktiv greift er nach dem nassen Tuch und drückt es sich sofort an seinen Mund. Seine zerschlissenen Lippen umschließen gierig das Tuch, während er beginnt die Feuchtigkeit aus ihm heraus zu saugen. „Damit sollst du dir den Sand aus den Augen reiben, ich habe hier was zu Trinken für dich.“ 

Vorsichtig wischt sich Kidan den Dreck aus den Augen. Die Sandkörner haben sie zusammen mit seinen Tränen komplett verklebt. Als er sie jetzt endlich öffnet kann er die verschwommenen Umrisse einer großen Gestalt vor sich erkennen, die ihm eine Karaffe entgegen hält. Dankbar greift er danach und schüttet das kühle erfrischende Nass  in sich hinein. Während er versucht seinen unendlichen Durst zu stillen, kommt es wie es kommen musste. In der Gier hat er sich verschluckt und ringt nun um Atem, sein Magen verkrampft und er beginnt zu würgen.

„Langsam langsam, es ist genug da. Dein Magen ist es nicht mehr gewohnt, du wirst langsam trinken müssen. Gib mir die Karaffe.“Noch hustend, reicht er der verschwommenen Gestalt das Gefäß zurück.

„Wer bist du?“  Verunsichert blickt er sich nun um und versucht etwas zu erkennen. „Wo bin ich hier?“ Seine Stimme ist heiser und kaum zu verstehen. Sein Gegenüber zögert einen Augenblick bevor es antwortet. „Mein Name lautet Bergulf, ich bin der örtliche Heiler und du befindest dich hier in der Festungsstadt Barik.“

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„Barik sagst du? Aber wie ist das Möglich, wir waren doch gerade noch auf dem Weg nach Samara!“ 

„Du warst lange Zeit Bewusstlos, die Karawane ist schon vor einigen Tagen in Samara gewesen. Sie hat dort nur einen kleinen Stopp eingelegt um die Vorräte der Söldner aufzufüllen. Dass du überhaupt noch lebst hast du einer Wache Namens Sigur zu verdanken. Nachdem du zusammengebrochen warst, wollte man dich schon vom Wagen werfen. Doch Sigur hielt seine Kollegen davon ab und erzählte ihnen, dass du von großem Wert für die Händler wärst und dass man dich, falls du überleben solltest, später in der Werft von Drindur einsetzen würde.“ 

Einen Augenblick schweigt er, bevor er sich wieder Kidan zuwendet. „Du wirst nicht viel Zeit hier verbringen können. Bei Morgengrauen zieht die Schwarze Karawane weiter nach Drindur!“

Nachdem sich seine Augen wieder an das Licht gewohnt hatten, konnte Kidan die ihm gegenüberstehende Gestalt erkennen. Bergulf trägt seine schulterlangen, grauen Haare offen. Er hat stechend eisblaue Augen und ein von Narben entstelltes Gesicht. Um die Schultern trägt er einen imposanten Wolfsmantel, mit dem Kopf des Wolfes zu einer Art Hut auf seinen Kopf drapiert.

„Wie weit ist es bis nach Drindur?“  

„Zwei bis drei Tage wenn ihr Glück habt. Der Weg führt euch über einen alten Bergpass der nur spärlich befestigt ist. Er wurde nicht für Kutschen angelegt und wird nur sehr selten benutzt. Ihr werdet wohl die meiste Zeit damit verbringen den Pass wieder passierbar zu machen. Am besten schläfst du noch soviel du kannst und ich komme zwischendurch um nach dir zu sehen. Nutze die Zeit um dich auf den Marsch nach Drindur vorzubereiten.“

Seine Miene verfinstert sich und er beginnt zu flüstern.

„Hör mir jetzt genau zu, solltest du auf dem Weg nach Drindur wieder das Bewusstsein verlieren, wirst du von den Wachen zurückgelassen. Sigurs Begleittruppe  ist schon wieder auf dem Weg zum Nordpass bei Felzur und nur wenige der Wachen haben Mitleid mit einem Sklaven. Du wirst also auf dich allein gestellt sein.“

Für einen Augenblick herrscht bedrückendes Schweigen.

„Danke für deine Warnung Bergulf, ich hoffe ich werde genug Kraft für den Weg haben.“ Bergulf greift jetzt in seinen Mantel und holt einen kleinen Lederbeutel heraus. „Hier drinnen befinden sich ein paar Blätter, die dir ein wenig Kraft spenden können. Iss sie wenn du erschöpft bist.“ Auf einem alten Schemel der neben dem Bett steht legt er nun den Beutel ab, schließt seinen Mantel und verlässt das Zimmer.

Der Raum ist nicht sonderlich groß und wird nur von einigen Kerzen und einem kleinen Kaminfeuer beleuchtet. Hier ist es nass und kalt, die Luft ist moderig und abgestanden. Die Wände sind aus grob geschlagenen Steinen auf denen sich die Feuchtigkeit niederschlägt. Darauf lasten schwere alte Balken, die das in die Jahre gekommene Dach tragen. Kidan liegt auf einem provisorischen Bett, unter einer alten Wolldecke und schläft alsbald ein.

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Dunkle Träume umfangen ihn. Träume der Angst und Verzweifelung. Die Schrecken die ihn in seinen Träumen heimsuchen sind mannigfaltig. Ketten fesseln ihn und schnüren ihm die Luft ab. Bei jedem mal wenn er ausatmet schlingen sie sich ein Stück enger um seine Brust. Panik überfällt ihn als er von Wölfen gejagt durch eine dunkele Nacht rennt, dass die Wölfe ihn erwischen würden war unausweichlich gewesen, nur ein Sprung in die Tiefe einer Schlucht hätte ihm einen Ausweg geboten. Im nächsten Moment hört er Stimmen die seinen Namen schreien und dann in einem unerträglichen Klang aus Leid erstillen. Hände die nach ihm greifen. Hände an denen sich das Fleisch von den Knochen schält und sich die Haut wie Asche im Wind des Sturms verteilt.


K^Rar / 1. Kapitel Auf der Sklavenkutsche

K^Rar / 2. Kapitel Halt in Barik 2. Teil

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